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Agnes und die Hedewittken
(Eine Erzählung zum Aschermittwoch)

Agnes steht im Supermarkt und ärgert sich. Wieder einmal hat sie ihren Einkaufszettel zu Hause vergessen.
„Da liegt er gut!“, murmelt sie und versucht, sich die einzelnen Punkte vor Augen zu führen. Rosinen hat sie, Milch auch. Die Eier liegen bereits im Einkaufswagen und alle anderen Zutaten befinden sich im Vorrat zu Hause.
„Hallo Agnes! Na, hast du was vergessen? Du guckst so!“ Helene, eine Teilnehmerin aus dem Literaturkreis, an dem Agnes einmal monatlich teilnimmt, steht vor ihr.
„Grüß dich, Helene! Ja, ich habe meine Liste vergessen und hoffe, dass ich mich an alles erinnert habe, was ich brauche. Weißt du, am Mittwoch ist doch Hedewittkentag. Da möchte ich eben diese Hedewittken backen!“
„Das habe ich noch nie gehört! Was ist denn das?“, fragt sie interessiert. Sie ist nämlich erst kürzlich in die kleine Stadt gezogen und hat früher in Hamburg gewohnt.
„Am Aschermittwoch gibt es bei uns immer Rosinenbrötchen, kennst du die denn wenigstens?“, fragt Agnes.
„Ja, klar. Rosinenbrötchen kenne ich, lecker!“ Helene reibt sich genießerisch über den Bauch, gerade so, als habe sie gerade ein köstliches Rosinenbrötchen gegessen. „Am liebsten mit dick Butter und Marmelade!“, schwärmt sie.
Agnes grinst. Ja, so mag sie die auch am liebsten.
„Nun, die Marmelade sparen wir und von der Butter sollte es auch nicht zu viel sein, denn am Mittwoch ist ja Aschermittwoch, der Beginn der Fastenzeit. Die Hedewittken, wie man bei uns sagt, sollen den Abschied von den Süßigkeiten ein wenig erleichtern!“
„Ach so ist das! Vielleicht sollte ich in diesem Jahr auch mal fasten, nötig hätte ich es ja.“ Helene schaut an sich herunter.
„Ach was, du hast doch eine prima Figur!“, meint Agnes. „Es geht ja auch eigentlich nicht ums Abnehmen. Die Fastenzeit bis Ostern soll eine Zeit der Besinnung sein!“, fügt sie hinzu.
„Und das funktioniert besser mit Rosinenbrötchen als mit Schokolade?“ Helene lacht.
„Ich sehe schon, du nimmst mich nicht so richtig ernst!“ Agnes lacht auch, aber an den alten Traditionen hält sie trotzdem gern fest. „Komm doch am Mittwoch einfach zu mir zum Hedewittken essen, ich koche uns auch eine schöne Tasse Kaffee dazu!“, schlägt Agnes vor.
Helene nickt. „Gute Idee, dann besinnen wir uns gemeinsam! Ich habe aber eine Bitte: Bekomme ich dann das Rezept von dir?“
Agnes verspricht es und die beiden Frauen verabschieden sich. Als Agnes zu Hause ankommt, fällt ihr auf, dass sie die Hefe vergessen hat – sowas aber auch!

© Regina Meier zu Verl

Hier mein Hedewittken-Rezept – vielfach ausprobiert und für gut befunden.
125 g Butter – 500 g Mehl – 1 Prise Salz – 1 halbes Päckchen Trockenhefe (frische geht natürlich auch) – 40 g Zucker – 125 ml lauwarme Milch – 1 Ei – 1 Eigelb – 60 g Rosinen (ergibt ca. 8 Hedewittken)

Mehl und Salz in eine Schüssel geben und eine Mulde reindrücken, Zucker und Hefe mit Milch verrühren und in die Mehlmulde geben, dann ca. 10 Minuten ruhen lassen. Geschmolzene Butter (handwarm) und das Ei dazugeben und den Teig kneten. Ich mach das mit den Knethaken des Mixers, geht aber genauso gut von Hand. Dann den Teig zu einer Kugel formen und ungefähr eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen. Anschließend die Rosinen unterkneten, den Teig zu einer Rolle formen und in 8 Stücke schneiden, auf ein Backblech legen und mit Eigelb einpinseln, nochmal 20 Minuten ruhen lassen und dann ab in den vorgeheizten Ofen (180 Grad) und 15 – 20 Minuten backen. Guten Appetit!