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24. Dezember Heiligabend
In Hendriks Familie war es Tradition, dass am Heiligabend zuerst zusammen gegessen wurde und erst danach das Wohnzimmer mit dem Tannenbaum betreten werden durfte.
Hendrik war sehr aufgeregt, nicht wegen der Geschenke, sondern wegen des Krippenspiels. Opa hatte versprochen, dass er mit allen anderen in den Stall kommen würde. Hendrik durfte schon vor allen anderen den Tisch verlassen.
„Hendrik, geh doch bitte mal in mein Zimmer und hole mir meine Lesebrille!“, sagte Opa Josef. Das war das Zeichen für Hendrik, dass er nun in den Stall gehen konnte.
Die Tiere erwarteten ihn schon. Sie hatten sich so aufgestellt, wie sie es vereinbart hatten. Toll sah das aus. Opa hatte Laternen aufgestellt, in denen die künstlichen Lichter nur noch angeknipst werden mussten, weil echte Kerzen in einem Stall viel zu gefährlich waren. Trotzdem gab es ein herrliches Licht und die Deckenlampe konnte ausgeschaltet werden. Überall an den Wänden hingen Tannenzweige, die mit roten Papiersternen geschmückt waren und statt des Eimers hatte Opa Josef den alten Bollerwagen aufgestellt, in dem ein Schaffell lag, darauf schlief die alte Puppe von Oma, die Opa klammheimlich aus der Vitrine stibitzt hatte.
Hendrik stellte sich neben die Tiere. In den Händen hielt er ein dickes Buch, das er in Goldfolie eingeschlagen hatte. In dieses Buch hatte er seine Geschichte gelegt, die er mit großen Buchstaben aufgeschrieben hatte.
Draußen hörten sie Gemurmel, die Gäste kamen.
„Freunde, es geht los!“, sagte Hendrik leise. Dann öffnete sich die Stalltür und die Erwachsenen traten ein.
Mucksmäuschenstill verhielten sich die Tiere, leise nahmen die Gäste Platz auf den Strohballen. Ganz still war es im Stall. Dann begann Hendrik zu singen: „Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all, zur Krippe herkommet, in Bethlehems Stall und seht, was in dieser hochheiligen Nacht, der Vater im Himmel für Freude uns macht!“
Dann begann er zu lesen:
„Es begab sich aber zu der Zeit im Advent, als die Tiere von Opa Josefs Hof beschlossen, ein Krippenspiel aufzuführen. Da waren: Jessy, der Esel, der die Mutter Maria getragen hatte, als ihr das Laufen zu schwer wurde, Berta, die Kuh, die den Ochsen vertreten musste, der die Aufgabe hatte, mit seinem gewaltigen Körper für Wärme im Stall zu sorgen, damit das Kind nicht erfriere und die wolligen Schafe Agnes, Lisbeth und Trudi, die ganz nah an die Heilige Familie rückten, um ihr Wärme zu spenden. Dann waren da die Mäuse, die auf den Rücken von Berta kletterten, um das Kind in der Krippe zu betrachten und der alte Schorsch, der aufpasste, dass niemand dem Kinde zu nahetreten konnte. Der Kater Jupp aber vermittelte zwischen Tieren und Menschen und bat den Jüngsten, also mich, die Weihnachtsgeschichte dazu zu erzählen, weil Tiere ja nicht reden können, oder besser gesagt: weil nicht jeder die Tiere verstehen kann.

Wir alle, die Tiere und ich, wünschen euch ein friedliches, gesegnetes Weihnachtsfest!“

Alle Gäste waren begeistert, sie klatschten Beifall und umarmten sich und sie umarmten den Hendrik und sogar die Tiere. Jedes von ihnen bekam eine Extraportion Heu an diesem Abend und Hendrik hatte sogar an ein paar Kekse für die Mäusefamilie gedacht. Da drückte selbst Mama ein Auge zu und ließ sich sogar zu einem: „Oh, sind die niedlich!“ hinreißen. Es war eben Weihnachten und da ist alles anders – friedlich eben!

© Regina Meier zu Verl 2017

Wir wünschen unseren Freunden und treuen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein glückliches neues Jahr!

Regina & Elke