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Die weiße Weihnacht

„Die Menschen wünschen sich Schnee zum Fest. Weihnachtsschnee!“
Aufgeregt hallte der Ruf durch die Wolkenwelt.
„Weihnachtsschnee?“, wunderte sich die dicke Wolke. „Was bitte soll das sein? Schnee ist Schnee ist weiß ist kalt.“
„Und schön! Schnee ist schön!“, riefen ein paar Schneeflocken.
„Wer sagt das? Und was bedeutet es, schön zu sein?“, fragte die Wolke.
„Die Menschen sagen das. Und schön ist es, Schnee zu haben zu dem Fest, das sie ‚Weihnachten‘ nennen. Deshalb wünschen sie sich auch eine ‚weiße Weihnacht‘. Verstehst du?“
Nein, das konnte die Schneewolke nicht begreifen. „Verstehe einer die Menschen! Sonst regen sie sich immer sehr laut auf, wenn ich mich über ihre Städte, Wälder und Felder lege. Tss!“ Sie zog ihre Wolkenarme noch ein bisschen mehr ein. „Und deshalb mache ich nun Pause. Weihnachtspause.“ Sie zögerte. „Was ist dies übrigens, dieses ‚Weihnachtsfest‘, und was hat es mit meinem Schnee tun?“
„Es ist ein sehr feierliches und sehr stilles Fest“, erklärte der Mond, der schon sehr viele Weihnachtsfeste mit den Menschen erlebt hatte.
„Mein Schnee ist auch feierlich und still“, stellte die Wolke fest. „So betrachtet wäre er auch so etwas wie ein Fest.“
„Juchhu!“, jubelten die Schneeflocken. „Ein Fest! Wie sind ein Fest. Juchhu!“
Da lachte der Mond. „Ihr seid mir das allerschönste Winterfest auf der Welt! Und manchmal erfreuen sich auch die Menschen daran. Dann nämlich, wenn sie Zeit haben und selbst ihre Feste feiern.“
„Genau! Zum Feiern muss man Zeit haben“, knurrte die Schneewolke, die nur ein Fest im Sinn hatte: Das ‚Schlafen’-Fest. Sie war nämlich müde. Das vergangene Jahr hatte sie viel Kraft gekostet. „Ich aber bin müde, folglich habe ich auch keine Zeit zum Arbeiten und schon gar nicht zum Feiern.“
„Das schönste Fest der Feste aber ist, wenn sich viele davon zu einer großen gemeinsamen Feier vereinen“, sagte der Mond und ein bisschen lächelte er dabei. Weil er nämlich weise war, kannte er die Antwort darauf schon voraus. Und da kam sie auch schon.
„Wirklich?“, fragte die Wolke. „Hm! Beim Schönsten aller Feste mit von der Partie zu sein, kann ja vielleicht doch nicht schaden. Was meint ihr, Schneeflocken?“
Die wirbelten schon aufgeregt durch die Luft. „Ja! Ja! Ja! Wir feiern mit! Gleich sind wir da! Hurra!“
Da konnte sich auch die dicke Schneewolke nicht länger halten. Mit einem Lächeln breitete sie ihre Schneearme weit und weiter aus.
„So lasst uns dieses weiße Fest auch richtig tüchtig feiern“, rief sie. „Für das Weiß werden wir sorgen.“
Und das taten sie auch, die Wolken und die Schneeflocken, und bald darauf war das Land unter ihnen weiß und bereit für ein wunderschönes Weihnachtsfest.
So gab es doch noch ‚weiße Weihnachten’, auch wenn sich darüber all die Wetterfrauen und -männer, die das nicht vorausgesagt hatten, später noch lange wunderten.

© Elke Bräunling

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