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Sterne haben ihren Platz am Himmel, so wie Kinder auf der Erde zuhause sind. Das ist schon immer so gewesen und kann auch anders nicht sein. Was soll ein Stern auch auf der Erde anfangen, was ein Kind im Himmel? Alle wissen, dass alles seine Ordnung haben muss. Nur der kleine Stern, der immer so neugierig ist und sich vieles, was er von seinem Himmelsplatz aus erblickt, auch gerne in echt ansehen möchte, ist da anderer Meinung. Und so büxt er immer wieder mal klammheimlich aus, um auf der Erde eine Stadt, ein Dorf, einen Wald, eine Wiese … oder ein Kind zu besuchen.
So auch dieses Mal im Märchen vom Weihnachtswunder, in dem der kleine Stern einen Weihnachtsmarkt besucht. Doch lies selbst:

 

Das Märchen vom Weihnachtswunder mit dem kleinen Stern

Keine Wolke stand am Himmel an diesem Abend und der kleine Stern blickte neugierig zur Erde hinab. Mancherorts war es sehr hell dort unten trotz der dunklen Winterzeit! Das war seltsam. Der kleine Stern wunderte sich.
„Alles ist wie immer. Es sind die Lichter der Städte, die mit uns um die Wette leuchten“, sagten die anderen Sterne, und Wolkenmaler Petronius fügte hinzu: „In der Weihnachtszeit ist es dort besonders hell.“
„Das gefällt mir“, rief der kleine Stern. „Erzähle mehr, Wolkenmaler!“
Petronius zögerte. „Licht kann blenden“, meinte er schließlich.
Diese Antwort mochte der kleine Stern nicht hören.
„Bitte! Nimm mich mit zu den Wolken!“, bettelte er.
„Das geht nicht“, wehrte Petronius ab, und die anderen Sterne schimpften:
„Auf der Erde haben wir Sterne nichts zu suchen.“
„Ich will mir doch nur von den Wolken aus die Städte ansehen“, bettelte der kleine Stern.
„Es ist zu gefährlich“, sagte Petronius, und die Sterne meinten:
„Das wäre ja noch schöner, wenn jeder seinen Platz am Himmel verließe. Nein, nein, das geht nicht.“
Der kleine Stern war gekränkt, doch als der nächste Wolkentag kam, versteckte er sich heimlich in Petronius´ Mantelkragen.
„Komisch“, brummte Petronius auf dem Weg zu den Wolken. „Mir ist so heiß im Nacken. Und wie das juckt!“
Immer wieder kratzte er sich an Hals und Schultern, und der kleine Stern hatte Mühe, nicht entdeckt zu werden. Nun musste Petronius auch noch niesen, und der kleine Stern schaffte es nicht mehr, sich festzuhalten. Beim siebten „Haaatschiii!“ purzelte er – schwups – von der Wolke.
„Hiilfeeee“, rief er. „Ich falleeee!“
Petronius erschrak. „Potzblitz! Was war das?“
Da sah er, wie der kleine Stern durch die Lüfte abwärts auf eine Stadt zusauste. Unwillig schüttelte er den Kopf.
„Dieser Lausestern hat also doch seinen Kopf durchgesetzt“, brummte er. „Was mache ich nun bloß?“
„Potzblitz“, heulte auch der kleine Stern, der mitten in den hellen Weihnachtsmarkttrubel zu fallen drohte. „Ich wollte doch nur ein kleines Bisschen gucken. Hilfeeeee!“
Da! Gleich hatte er die Erde erreicht. Aufgeregt breitete er seine Zacken noch ein wenig weiter aus, und blieb am höchsten Zipfel der großen Weihnachtsmarkttanne hängen.
„Oje, das gibt Ärger!“ Er blickte himmelwärts und sah, wie seine Sternenkollegen aufgeregt blinkten und wie Petronius wild fuchtelnd auf einer Wolke stand. „Oje!“
Vor lauter Unbehagen vergaß der kleine Stern fast, sich die Lichterpracht und die weihnachtlich geschmückte Stadt anzusehen. Ängstlich starrte er zu Petronius hinauf. „Ich wollte doch nur einmal ganz kurz…“
„Ooooh. Seht mal! Unsere Weihnachtstanne hat Besuch bekommen“, hörte er auf einmal eine Kinderstimme fröhlich rufen. „Ein Stern! Ein ganz heller Stern!”
”Oh! Schön!“
„Ja, wie schön!“
„Kommt alle her!“
„Ein Wunder!“
„Weihnachten ist in unsere Stadt gekommen!“
„Ooooooh!“ „Aaaaaaah!“ „Schööööön!“
Laut und trubelig ging es auf einmal unter der Weihnachtstanne zu.
Der kleine Stern erschrak noch mehr. Er spähte zum Boden und blickte in viele Menschenaugen, die vor Freude strahlten. Da vergaß der kleine Stern seine Angst und zaghaft blinkerte er den Menschen mit einem hellen Sternenblitz zu.
„Ein Weihnachtswunder!“, staunten die Leute, und ein Kind rief: „Er lacht, der Stern!“
Dann begann es vor Freude zu singen, und alle Leute stimmten mit ein:
„Oh du fröhliche, oh du selige, Gnaden bringende Weihnachtszeit…“
Schön klang das. Der kleine Stern freute sich so sehr, dass er noch heller leuchtete und mit seinen Zacken zwinkerte.
Die Leute sangen noch viele Lieder.
Auf einmal aber senkte sich eine Wolke über den Platz. Sie machte an der Tanne Halt und Petronius rief dem kleinen Stern zu: „Es wird Zeit zur Rückkehr.“
„Schade!“, sagte der kleine Stern, dann hüpfte er mit einem letzten Abschiedsblinker zu Petronius hinüber, und langsam zogen die beiden auf ihrer Wolke himmelwärts. Noch lange konnten sie den Gesang der Leute, die ihnen hinterher staunten, hören. Und noch lange würde keiner dieses Weihnachtswunder je vergessen.

© Elke Bräunling

Pssst! Gestern ist der kleine Stern wieder auf dem Weihnachtsmarkt gesehen worden. In der großen Tanne hat er wieder gesessen und es hatte auch einen wichtigen Grund dazu gegeben.
Was passiert war? Du kannst es hier lesen: Der kleine Stern und das Weihnachtslicht

 

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