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Wolkenhimmel

Zwei Engel, ein junger und ein älterer, sitzen auf einer dicken Wolke. Es ist kurz vor Weihnachten. Die beiden ruhen sich aus, denn sie haben für die Festvorbereitungen kräftig gearbeitet.

Kleiner: Na du!

Großer: Na du? Was soll das denn heißen?

Kleiner: Wollte nur mal Hallo sagen, mir ist so langweilig hier!

Großer: Mmh, ja, ein bisschen langweilig ist mir auch! Hast du denn auch schon alle Aufgaben erledigt?

Kleiner: Klar, ich war in diesem Jahr in der Backwerkstatt. Ich kann dir sagen: tonnenweise Mehl haben wir da verarbeitet. Junge, war das eine Arbeit!

Großer: Ein bisschen Respekt bitte, ich bin kein Junge, ich bin ein Engel, ein alter dazu.

Kleiner: Sorry, habe ich doch nicht böse gemeint. Weißt du, ich mag dich doch!

Großer: So? Mmh, ja, wie soll ich es sagen?

Kleiner: Sag einfach wie dir der Schnabel gewachsen ist …

Großer: Ich habe aber keinen … ach egal. Ich wollte sagen, dass es mich freut, wenn du mir sagst, dass du mich magst! Hat mir lange keiner mehr gesagt!

Kleiner: Oh, dann wurde es ja Zeit. Sollen wir ein bisschen singen?

Großer: Ach nein, weißt du, meine Stimme ist etwas kratzig. Früher konnte ich schön singen, da war ich sogar im Engelchor. Ach, was haben wir schöne Konzerte gegeben.

Kleiner: Toll. Ich spiele in diesem Jahr im Orchester mit, darauf freue ich mich schon sehr. Morgen haben wir wieder eine Probe. Ich muss gleich noch ein bisschen üben. Spielst du mit?

Großer: Ich kann das nicht und um es zu lernen bin ich wohl schon zu alt! Schade!

Kleiner: Ach was, du bist doch nicht alt. Alles kann man lernen, man muss es nur wollen!

Großer: Meinst du?

Kleiner: Meine ich!

Der junge Engel zieht seine Flöte hervor und einen Putzstab. Er fängt an, das Instrument zu reinigen.

Großer: Was machst du da?

Kleiner: Ich reinige meine Flöte, weißt du, sie muss von innen immer gut ausgewischt werden, sonst verändert sich das Holz und dann klingt sie nicht mehr schön. Wenn ich gleich fertig bin, dann zeige ich dir, wie man spielt!

Großer: Ach, das ist vergebliche Liebesmüh, das lerne ich nie. Bin viel zu alt dafür!

Kleiner: Jetzt hör aber auf, ständig mit deinem Alter zu kokettieren. Du bist nicht alt, nur älter als ich und was macht das schon?

Großer: Wenn du meinst!

Kleiner: Meine ich!

Der junge Engel reicht dem Alten die Flöte und zieht eine weitere Flöte hervor.

Kleiner: Zuuuufällig habe ich noch eine Flöte, die ist schon sauber. Wir können also loslegen.

Großer: Loslegen? Ich?

Kleiner: Ja pass auf, ich zeige es dir. Du musst den linken Daumen schön dicht auf das Daumenloch legen, guck hier hinten …

Großer: Okay, das klappt. Und dann?

Kleiner: Dann legst du den Zeigefinger auf das oberste Loch, den Mittelfinger auf das nächste und immer so weiter, bis alle Finger auf der Flöte sind. Mach mal!

Großer: So? Mach ich das richtig? Aber ich höre gar nichts!

Kleiner:Haha, du bist mir ja einer. Du musst oben reinpusten, sonst hört man natürlich nichts, ist doch klar!

Großer: Ach so, ja, warte, ich versuche es mal! (Er spielt ein paar Töne) Klingt schaurig! So wird das nichts, glaube ich!

Kleiner: Nicht so ungeduldig – wir haben ja etwas ganz Wichtiges vergessen!

Großer: Was denn?

Der kleine Engel fasst in seine Tasche und holt etwas Sternenstaub heraus, er pustet ihn über beide Flöten!

Kleiner: So, nun kann es losgehen, was spielen wir?

Großer: Weiß ich doch nicht, sag du!

Kleiner: Für den Anfang was Leichtes … eins, zwei drei vier

Die beiden spielen „Alle Jahre wieder“, es klappt ganz gut!

Großer: Ich bin beeindruckt, das hätte ich nicht gedacht, dass das so gut klappt.

Kleiner: Du bist eben cool!

Großer: Cool?

Kleiner: Talentiert, meinte ich.

Großer: Meinst du?

Kleiner: Meine ich!

Sie nehmen wieder die Flöten. der Kleine zählt an. Sie spielen: Hört der Engel helle Lieder, es klingt wunderbar.

Kleiner: Ich werde vorschlagen, dass du im Orchester mitspielen kannst!

Großer:Das wäre wunderbar. Schon immer wollte ich in einem Orchester mitspilen. Danke, kleiner Engel, du bist …

Kleiner: Cool?

Großer: Ja, genau!

Kleiner: Wenn du meinst!

Großer: Meine ich!

© Regina Meier zu Verl