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Silvesterböller

Loona, die Dackeldame, hatte gerade so schön geschlafen, als ein dumpfer Knall sie aus ihren Träumen riss. Gleich darauf folgte ein zweiter und danach unzählige weitere. Loona zitterte vor Angst. Ganz allein saß sie im Wohnzimmer. Wo steckten nur ihre Menschen? Vorhin waren sie doch noch hier im Zimmer gewesen und Frauchen hatte  drüben in der Küche mit Geschirr geklappert! Abwaschgeschirr. Es war ein Klappern, das sich nicht zum Betteln lohnte. Deshalb hatte sich Loona gemütlich neben dem Kaminofen zusammengerollt, um im Traum mit Kater DaVinci zu toben.
Ach, war das schön gewesen. doch nun war es vorbei mit der Ruhe. Vorsichtig schlich Loona durch die Wohnung auf der Suche nach einem Beschützer. Da! Schon wieder knallte es! Hilfe! Mit einem Sprung rettete sie sich in die Zimmerecke hinter den großen Omasessel. Hier konnte sie kein Feind fangen, selbst wenn er noch so laut donnerte.
Ganz still saß sie da, wagte kaum zu atmen. Ihre Öhrchen hatte sie aufgestellt, um nicht zu verpassen, wenn einer ihrer Menschen herein kommen würde. Als es wieder knallte, dachte Loona, ihr letztes Stündchen habe geschlagen, denn mit einer unheimlich Wucht flog etwas hinter den Sessel und landete auf ihrem Rücken. DaVinci!
„Was … was machst du da?“, stammelte Loona.
„Das wollte ich gerade dich fragen“, raunzte der Freund zurück. „Macht dich der Lärm etwa bange und du musst dich verstecken? Ha! Da haben wir es mal wieder: Hunde, die bellen, beißen nicht. Du Angsthase! Pardon, du Angsthund, du!“
Loona ärgerte sich nun. Dieser blöde Kater. Sie hatte doch keine Angst, vorm Knallen nicht und vor DaVinci schon gar nicht.
„Du hast ja selbst Angst!“, schimpfte sie. „Vor lauter Angst bist du mir in den Nacken gesprungen. Ha!“
„Angst? Ich? Niemals. Nein. In geheimer Mission bin ich unterwegs. Jawohl.“
DaVinci hatte sich aufgesetzt und blickte Loona herausfordernd an.
„Dieser Knallpengdingsbumslärm kann uns beiden nämlich durchaus zugute kommen. Unsere Menschen sind gerade etwas abgelenkt von uns.“
Abgelenkt? Das klang spannend, Loona roch den Braten sofort.
„Du meinst …?“, flüsterte sie.
„Ja, ich meine, dass sich da doch sicher etwas Leckeres zum Naschen finden lässt. Komm, wir stürmen das Buffet!“
Gute Idee. Vorsichtig schlich Loona ihrem Katerfreund hinterher in die Küche zu dem Tisch hinüber, wo all die feinen Leckereien darauf warteten, aufgegessen zu werden. Noch drei Schrite, noch zwei, noch einen … und wusch … erklang ein mächtig lauter Donnerschlag.
Da bedurfte es keiner Worte. Wie die kleinen Kugelblitze sausten Loona und DaVinci hinter Omas Sessel zurück und dort blieben sie dann auch sitzen, bis das Spektakel vorbei war. Dass sie trotzdem jeder ein leckeres Häppchen vom Buffett ergatterten, war dem Mitleid eines Gastes zu verdanken, der ein Herz für Tiere hatte. Na bitte!

Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl