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Krippenspiel, ganz leise

Frau Zimmermann hatte die Rollen verteilt und jedes Kind hatte nun die Aufgabe, übers Wochenende das Theaterstück noch einmal zu lesen und sich mit der eigenen Rolle anzufreunden. Einige Kinder waren sofort begeistert, andere, die keine große Lust hatten zu lesen, murrten. „Wir kennen doch das Stück schon, wozu sollen wir es noch einmal lesen?“, fragte Murat. „Und außerdem will ich kein Hirte sein. Hirten sind blöd!“
„Und ich will nicht das Schaf sein“, brüllte Marie. „Schaf sein ist doof.“
„Kühe sind auch doof“, heulte Fabian auf. „Dann lachen mich alle aus. Nein, ich spiele die Kuh nicht.“
„Ich mach die Kuh“, sagte die kleine Anne, die Kleinste der Klasse, die in das Kuhkostüm so gar nicht passt, weil es ihr zu groß ist.
Anne wollte immer und überall helfen, doch dass ihr das Kostüm nicht passen würde, das sah sie ein.
„Wahrscheinlich war gar keine Kuh dabei, damals, im Stall“, versuchte sie dem Fabian zu helfen. „Also ich habe nur von einem Ochsen gehört.“
„Aber Anne, du hast das Stück doch gelesen und da spielt eindeutig eine Kuh mit. Wir werden unser Krippenspiel genauso spielen, wie es da steht. Wir können den Inhalt nicht einfach ändern!“, sagte Frau Zimmermann und ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich durchsetzen würde.
„Aber die Kuh“, warf Fabian aufgeregt ein, „die Kuh macht gar nichts in dem Stück. Sie steht nur dumm da und glotzt. Nicht mal „Muh!“ darf sie machen. Nicht mal das. Es ist echt die blödeste Rolle in dem Stück.“
„Das Schaf darf auch nicht mähen’“, schimpfte Marie, die noch immer kein Schaf sein wollte.
„Die Tiere sind alle so still, weil sie das Christkind nicht stören wollen. Ihre Aufgabe ist es, das Kind zu wärmen. Was gibt es Schöneres?“, fragte Frau Zimmermann, die den allgemeinen Unmut gar nicht verstehen kann. „Außerdem sagt das Christkind auch nichts, es liegt nur ganz still in der Krippe.“
„Dann müssen aber auch alle anderen wirklich ganz leise sein“, sagte die stille Katinka, die sich nur sehr selten zu Wort meldete. „Keiner darf in unserem Weihnachtsstück etwas sprechen. Damit das Christkind auch wirklich schlafen kann.“
Frau Zimmermann musste nun doch lächeln. „Aber singen“, fragte sie. „Darf man singen?“
„Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Frau’n!“, singt Anne ganz leise.
Alle Kinder stimmen ein. „Kommet das liebliche Kindlein zu schaun!“
Und die Kühe und Schafe singen auch, nur die Hirten schweigen. So soll es ja auch sein, schließlich werden sie ja gerufen und kommen erst dazu, als alle das Kind in der Krippe schon gesehen haben.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl