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Der kleine Stern und der Waldadvent

„Am schönsten ist es im Wald zur Adventszeit“, hatten die Wolken geflüstert. „Und am geheimnisvollsten.“
Dies hatte der kleine Stern an seinem Himmelsplatz wieder und wieder gehört. Nun wollte er diesen Waldadvent selbst endlich einmal sehen und kennen lernen. Eines Abends hüpfte er auf eine Schneewolke und zog mit ihr zur Erde hinab bis zu dem kleinen Wald. Dort machte die Wolke Halt und der kleine Stern ⭐️ linste auf die kahlen Kronen der Bäume hinab.
Still war es hier. Es herrschte eine Stille, die fast feierlich erschien. Das gefiel dem kleinen Stern. Es gefiel ihm sogar wunderfein gut. Er mochte diesen Wald. Nur den Advent, so wie er ihn von heimlichen Besuchen in der kleinen Stadt her kannte, konnte er hier nicht erkennen. Er sah keine Lichter, kein Funkeln, Glitzern und Flimmern. Er hörte auch keine Musik und er vermisste die Menschen, die er von seinen Besuchen in der kleinen Stadt her kannte. Das machte ihn ein bisschen ratlos.
„Und wo finde ich hier nun den Advent?“, fragte er.
Da sank die Wolke noch ein bisschen tiefer fast bis zu dem Baumwipfeln hinab und schickte ihre Schneeflockenfracht aufs Land. Die Flöckchen tauchten die Tannen, die kahlen Baumkronen, die Sträucher, Büsche, Wege, Wiesen und das Ufer des kleinen Waldbaches in ein sanftes Weiß. Sternchen an Sternchen schmückten sie, Häkelspitzen gleich, den Wald und verliehen ihm ein festliches Gewand. Ein bisschen funkelten sie sogar im Lichtschein des Mondes. Schön sah das aus.
Der kleine Stern freute sich. „Ja“, murmelte er. „Das ist ein Advent, der mir gefällt.“
Der funkelweiße Waldadvent gefiel dem kleinen Sternchen sogar so sehr, dass er beschloss, für eine Weile im Wald zu bleiben. Er verabschiedete sich von der Wolke, die nun sehr schlank geworden war. Dann hüpfte er aufs Land hinab und landete im Wipfel der großen Waldkiefer. Hier würde er erst einmal auf ein Schläfchen machen. Die Reise hatte ihn nämlich müde gemacht.

© Elke Bräunling