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Der kleine Rabe und die Prinzessin
Ein Fastnachtsumzugsabenteuer für den kleinen Raben

Am Faschingssonntag lockte laute Musik den kleinen Raben in die Stadt.
Trubelig war es da. Überall erklang Musik und fröhliches Lachen.
Warum sind die Menschen heute so heiter?, wunderte sich der kleine Rabe. Sonst laufen sie bei diesem langweiligen und grauen Winterwetter doch immer mit griesgrämigen Gesichtern herum!
Er flog weiter.
Plötzlich sah er es golden schimmern.
Schöööön war das!
Neugierig flog der kleine Rabe dem Goldschimmer entgegen und landete auf einem Karnevalswagen direkt vor einer lieb lächelnden Prinzessin.
Die saß da mit einem roten Gewand und einem goldenen Krönchen im langen, dunklen Haar. So schööööön sah sie aus!
Sie winkte immerzu nach links und rechts und lächelte den Leuten am Straßenrand zu.
Das Krönchen auf ihrem Kopf glitzerte, funkelte und gleißte bei jeder Kopfbewegung so sehr, dass der kleine Rabe nicht mehr dem Blick davon wenden konnte.
Er musste dieses Glitzerkrönchen haben. Unbedingt!
Aber wie?
Vorsichtig hüpfte er näher.
Die Prinzessin lächelte und lächelte, nach links, nach rechts, nach vorne, das Krönchen auf ihrem Kopf glitzerte nach links, nach rechts, nach vorne, und alle Leute am Straßenrand applaudierten und riefen der Prinzessin „helau“ und „ahoi“ und „alaf“ und andere komische Worte zu.
Die Prinzessin lachte und schüttelte fröhlich ihren Kopf mit dem Krönchen.
Da verlor der kleine Rabe alle Furcht.
Mit einem Hüpfer schwang er sich auf den Schoß der Prinzessin, krabbelte von dort flugs auf deren rechte Schulter und pickte mit dem Schnabel nach dem Krönchen.
Die Prinzessin erschrak und wollte den kleinen Raben von ihrer Schulter schubsen.
Weil aber alle Leute dachten, der Rabe sei ein Faschingsscherz, klatschten sie Applaus.
Da hielt die Prinzessin still und lachte, während der kleine Rabe weiter an dem Krönchen zog.
Aber er hatte Pech. Das Krönchen war im Haar fest gesteckt.
Enttäuscht saß der kleine Rabe schließlich auf der Prinzessinenschulter und ließ den Kopf hängen.
„Pech gehabt, du Rabenkerl!“, flüsterte die Prinzessin.
Sie lächelte und strich dem kleinen Raben sanft über das Gefieder.
Das war ein schönes Gefühl.
Der kleine Rabe hob den Kopf und rieb seinen Schnabel kurz an der Wange der Prinzessin.
Da lachten wieder alle Leute. Sie klatschten und schossen viele Fotos. Die Prinzessin lächelte, und der kleine Rabe krächzte.
„Bleib hier, kleiner Rabe!“, flüsterte die Prinzessin. „Du bringst mir Glück. Siehst du, wie sich die Leute freuen?“
Und so saß der kleine Rabe während des ganzen Karnevalszugs auf der Schulter der Prinzessin.
Er war sehr stolz und nickte ebenfalls nach links, nach rechts und nach vorne den Leuten zu. Er freute sich. Noch mehr aber freute er sich, als ihm die Prinzessin am Ende des Tages ihr Krönchen schenkte.
„Damit du mich nicht mehr vergisst, kleiner Rabe“, sagte sie zum Abschied.
Mächtig stolz war der kleine Rabe da, als er nach einem Abschiedskrächzen mit dem Krönchen nach Hause flog.
Dort hängte er seine Beute ganz oben in einen Ast seines Schlafbaumes, ja, und da hängt das Krönchen noch heute. Man sieht es funkeln in hellen Mondnächten, und wenn man genau hinschaut, sitzt ein kleiner Rabe daneben, der ganz stolz dreinblickt.

© Elke Bräunling

Eine weitere Fastnachtsgeschichte mit dem kleinen Raben findet Ihr hier:
Der kleine Rabe und der Luftschlangenbaum