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Hilfe für Weihnachtsmuffel-Papa
Wie Papa lernte, sich wieder über Weihnachten zu freuen

Papa war ein Weihnachtsmuffel. „Dieser ganze Kram mit Kerzenlicht und Tannenzweigen geht mir auf die Nerven“, stöhnte er. Und wenn wir Weihnachtslieder sangen, sah er aus, als würde er gleich losheulen. „Alle Jahre wieder“, jammerte er, „muss es Weihnacht sein.“
Das klang so komisch, dass wir lachten und „Alle Jahre wieder ist Papas Laune mies“ sangen.
„Ihr macht es euch mit Plätzchen und Musik gemütlich“, sagte er, „und woanders in der Welt haben Kinder Hunger. Ist das okay?“
Und dann erzählte er uns von Kriegen, Gefängnissen, Angst, Hunger und von heimatlosen, einsamen, armen oder kranken Leuten. „Wie könnt ihr euch da noch auf Weihnachten freuen?“, fragte er.
Wir bekamen ein mächtig schlechtes Gewissen, weil es uns gut ging und weil wir Weihnachten so sehr mochten. Lange überlegten wir, wie sich Papa vielleicht nicht mehr ganz so sehr vor Weihnachten graulen würde. Und wir hatten auch eine Idee, und die ging so:
Als der 1. Adventstag kam, verdrehte Papa wie immer gequält die Augen. „Geht das schon wieder los?“, stöhnte er.
„Ja!“, sagte Mama und ihre Stimme klang irgendwie so streng, dass Papa überrascht schwieg.
„Wir haben eine Überraschung für dich“, riefen wir schnell und überreichten ihm einen Brief mit unserer ersten Weihnachtsmuffelidee.
Neugierig öffnete Papa den Umschlag und las mit leidender Stimme: „Lieber Papa, du musst dich nicht freuen, dass heute erster Advent ist.“
„Aha, hmhm“, nuschelte Papa. „Auch gut.“
Es wurde ein schöner 1. Adventstag. Wir freuten uns über unseren Adventskalender und dass bald Weihnachten war. Papa tat, als freue er sich, sich nicht freuen zu müssen. Am Abend aber stand er in einem unbemerkten Augenblick vor unserem Adventskalender, und irgendwie guckte er ganz merkwürdig.
Am nächsten Tag bekam Papa wieder einen Brief: „Lieber Papa, du brauchst heute nicht mit in den Wald zum Tannenzweige holen gehen.“
„Prima“, sagte Papa, „Diesen Quatsch mit den Tannenzweigen finde ich sowieso blöd.“
Im Wald gab es viel zu sehen, und der Förster erzählte uns so manches Försterlatein.
„Es war toll!“, riefen wir, als wir heimkamen.
„Und so interessant!“, sagte Mama.
„Ph!“, brummte Papa. „Ihr wolltet mich ja nicht dabeihaben.“
Dann kam der erste Adventssonntag. Vor Papa Teller lag ein Tannenzweig mit einem Brief, und darauf stand:
„Lieber Papa, wenn wir heute die erste Adventskranzkerze anzünden, musst du nicht hinsehen. Wir werden auch kein Adventslied singen. Beatles-Lieder mögen wir viel lieber.“
Papa runzelte die Stirn. „Beatleslieder zum Adventslicht?“
„Die Beatles sind doch deine Lieblingsgruppe“, sagte Lena.
„Wie schön! Ehem…“ grunzte Papa.
Mama aber lachte. Sie lachte auch, als die erste Kerze am Kranz brannte und wir ‚Obladi-Oblada‘,’All you need is love‘ und ‚Yesterday‘ sangen.
Papa aber blickte finster drein, dann sprang er auf, pustete die Kerze aus und schimpfte los: „Das soll ein gemütlicher Adventssonntag sein? Pustekuchen.“
Und brummend verschwand er in seinem Arbeitszimmer.
Wir wunderten uns. Hatte Papa etwas von einem gemütlichen Adventssonntag gesagt?
„Ihr seid mir schon zwei süße kleine Biester“, sagte Mama leise. „Nur weiter so!“
Und wir machten weiter. Jeden Tag bekam Papa einen neuen Adventsbrief. Darin standen Dinge wie:
„Du musst uns nicht beim Plätzchenbacken helfen!“
„Du musst nicht mit uns zur Nikolausfeier gehen!“
„Du musst nicht unsere Weihnachtsflötenlieder hören!“
„Du brauchst nicht mit uns zum Weihnachtsmarkt gehen!“
„Du musst uns nichts zu Weihnachten schenken!“

Doch komisch. Irgendwie klappte die Sache mit unserer Weihnachtsmuffelidee nicht. Egal, was wir auch schrieben: Papa tat das Gegenteil. Er ging mit zur Nikolausfeier, er half beim Plätzchenbacken, er bummelte mit uns über den Weihnachtsmarkt, und als wir am nächsten Sonntag vor dem Adventskranz saßen, sangen wir ‚Leise rieselt der Schnee‘, ‚Morgen kommt der Weihnachtsmann‘, ‚Macht hoch die Tür‘ und viele andere Lieder. Und Papa sang mit.
Ich glaube, es freute ihn, ins Kerzenlicht zu sehen und zu singen, ohne dabei immer bloß an das Schlimme auf der Welt zu denken, denn, ehrlich, vergessen würden wir sowieso nie, dass es anderen nicht so gut ging wie uns.
Nach diesem zweiten Adventssonntag hatten wir keine Briefe mehr geschrieben, und als kein Umschlag mehr vor Papa Teller lag, sah er uns an und sagte leise: „Danke.“

© Elke Bräunling

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